Süßwasser-Rotalge – Thorea ramosissima bzw. Thorea hispida

Die hübsche unbekannte Alge

Als ich sie zum ersten Mal in meinem Aquarium entdeckte, wusste ich weder, wer sich da gerade ansiedeln wollte noch woher sie gekommen war. Sie begann an mehreren Stellen auf einer Wurzel zu wachsen und ich schaute ihr interessiert zu. Mit ihrer Färbung brachte sie einen schönen Kontrast ins Becken und ihre behaarten, rotbraunen Fäden fand ich sehr dekorativ. Die Farbe brachte mich auf die Idee, die neue Mitbewohnerin meines Wasserreichs könnte zu den Rotalgen (Rhodophyta) gehören. Über die hatte ich schon mal gelesen, ihre grünen Farbpigmente werden von roten Farbstoffen überdeckt“.

Ich begann zu recherchieren und fand heraus, dass es sich um eine Thorea ramosissima Bory handelt, heute oft mit ihrer neuen Artenbezeichnung Thorea hispida benannt – ganz korrekt nach Kumano seit 2002: Thorea hispada (Thore) Desvaux. Inzwischen kenne ich nicht nur ihren alten und ihren neuen Namen, sondern konnte noch einiges mehr in Erfahrung bringen.

Verbreitung der Rotalgen

Der amerikanische Botaniker Abel Aken Hunter (1877-1935) veröffentlichte 1898 gemeinsam mit seinem Kollegen Georg G. Hedgcock nach der Entdeckung einer seltenen Meerespflanze in Lancaster County einen Bericht, in dem die Thorea beschrieben wird. Heute werden weltweit vier Arten der Thorea gekennzeichnet: Thorea hispada und synonym T. andina, T. lehmannii sowie T. ramosissima.

Ich weiß jetzt, die Thora hispada lebt sowohl im Meer als auch im Süßwasser. Sogar in europäischen Fließgewässern ist sie zu finden. Wissenschaftler beobachten und dokumentieren ihr Vorkommen dort genau. In Berliner Gewässern galt sie seit 1949 als verschollen, wurde aber 2014 in der Charlottenburger Spree wieder gesichtet. Ganz so, wie ich sie plötzlich in meinem Aquarium fand.

Die Thorea-Alge bekämpfen?

Einige Aquarianer können sich ja überhaupt nicht mit Algen anfreunden und bekämpfen sie mit allen Mitteln. Das reicht bis zur Empfehlung, das Wasser alle zwei Tage auszutauschen. Ich sage nur: Stress pur für die armen Fische.

Ich habe nicht vor, meiner neuen Alge den Kampf anzusagen. Mir gefällt die Thorea hispida, weil sie eine schöne Kontrastfarbe ins Aquarium bringt und ihre haarigen Fäden sich so anmutig im Wasser bewegen. Meine Fische scheinen sie übrigens auch zu mögen. Und soweit ich das bisher beobachten kann, droht kein explosionsartiges Wachstum.

Außerdem gibt es ja eine Reihe natürlicher Maßnahmen, falls die Alge zu viel Raum erobert. Sollte das passieren, werde ich einfach eine größere Anzahl schnellwüchsiger Pflanzen (wie Ludwigien oder Wasserpest) einsetzen und so ihr Wachstum eindämmen. Denn soweit ich weiß, haben Rotalgen ähnliche Nahrungsbedürfnisse wie meine Aquarienpflanzen. Im Ernstfall kann ich ja auch noch weitere Algenfresser in das Aquarium setzen, vielleicht Oto-Welse oder Siamesische Rüsselbarben.

Bisher konnte mir keiner genau erklären, unter welchen Bedingungen sich Rotalgen im Aquarium zu einer Plage entwickeln. Klar ist nur, sie haben einen hohen Nährstoffbedarf und fühlen sich in Becken mit starken Filtern, also auch starker Strömung besonders wohl. Heißt für mich im Umkehrschluss: Wenn mein Aquarium in einem gesunden Gleichgewicht ist und ausreichend Pflanzen vorhanden, die mit den Algen um Nährstoffe konkurrieren, habe ich nichts zu befürchten.

Wie es aussieht, bin ich nicht der einzige Freund dieser besonderen Rotalge. In einem Aquarium im Botanischen Garten München ist die Thorea ramosissima seit 2004 zu Hause und darf bleiben. Identifiziert wurde sie dort von Dr. Josef Bogner, der in einem Beitrag im „Aqua Planta“, dem Fachmagazin des Arbeitskreises Wasserpflanzen, unter dem Titel „Eine Rotalge im Aquarium“ über sie berichtete.

Weitere Quellen rund um die Rotalge gibt’s hier:

  • https://www.berlin.de/senuvk/natur_gruen/naturschutz/artenschutz/download/rote_listen/rote_liste_rotalgen_rudolph_et_al.pdf
  • J. Bogner (2004): Eine Süßwasser-Rotalge im Aquarium.- Aqua Planta 4-2004, 142

 

 

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